"Es ist ein großes Ziel der Städtischen Wohnungsbau GmbH Lahr (STW) das Stadtbild mit viel Engagement weiter aufzuwerten. Diese Aufgabe ist ein wesentlicher Bestandteil unseres sozialen Auftrags. Ein Musterbeispiel hierfür ist das Projekt in der Friedrichstraße."
Markus Schwamm, Geschäftsführer STW
Beauftragt durch die Wohnbau Lahr GmbH
Verwirklicht von KAB für L´art pour Lahr e.V.
Aufgabe: Als Gemeinschaftsprojekt eine durch eine Wand aus Verschalungsbrettern bis zur Höhe der Regenrinne des Eckhauses für mehrere Jahre provisorisch geschlossene Baulücke als Architektur zu gestalten.
Eine zügige Umsetzung bis zum Beginn der Chrysanthema war erwünscht, sowie eine städtebauliche Lösung angestrebt, die nicht unbedingt als Provisorium wirkt.
Der Zeitrahmen war mit Entwurfsvorbereitung, Absegnung durch den Stadtrat, Bauantrag, Fundamentierung, Aufbau des Trägergerüstes, Aufbringen des Vorputzes und der Ausführung ambitioniert.
Zum Planungstreffen, zu dem die Wohnbau Lahr GmbH geladen hatte, um erste Lösungsansätze zu sichten und Umsetzungsmöglichkeiten zu erörtern, erschien ich als Zuschauer. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mit dem Projekt nichts zu tun.
Außer mir war nur einer der über ein Dutzend sich zur Teilnahme angemeldeten Künstler:innen anwesend. Da das Projekt hiermit beendet schien, erklärte ich mich zu seiner Rettung und um den teilnehmenden Künstlern Zeit zu verschaffen spontan bereit, der Wohnbau GmbH binnen sieben Tagen einen groben Vorentwurf zur Annahme vorzulegen, der den vielen, teilnehmenden Künstler:innen als ein verbindendes "Gerüst" zum `Einhängen´ und Verwirklichen eigener konstruktiver, oder dekonstruktiver Ideen dient. Dieser Vorentwurf sollte auf Wunsch der Wohnbau GmbH die benachbarte Architektur aufgreifen und in einfacher Form weiterführen.
Nach weiterer sieben Tage sollten die teilnehmenden Künstler:innen dann ihren persönlichen Entwurf vorlegen, aus dem hervorgeht, wie sie die von mir geschaffene, grobe „Matrix“ in ihrem Sinn abwandeln und umarbeiten. Im diesem Fall wäre von meinem Vorentwurf nichts übrigbleiben; er wäre als „unsichtbares Gerüst" eines zusammenhängenden Bildes in den Bildideen verschiedenster Künstler:innen aufgegangen.
Nach zwei Wochen waren von den teilnehmenden Künstler:innen als Ideen lediglich ein Schaufenster im Sinne Henry Rousseaus und die Idee eines Pferdes im Bogendurchgang eingegangen, wobei ich bei Letzterem um Ausführung gebeten wurde.
Dieser Entwurf wurde von der Wohnbau Lahr GmbH als Endentwurf angenommen. In Ermangelung der eigentlichen Teilnehmer:innen hatte ich diesen Entwurf zusammen mit Johann Türck als einzigem Helfer, der als seine persönliche Arbeit auch das „Rousseausche Schaufenster“ beisteuerte, binnen einer Woche, in der das Gerüst stand, zu verwirklichen.
Dafür, dass ich hier ohne jede Vorbereitung spontan einstieg und keinen eigenständigen, künstlerischen Entwurf abgeben durfte, wurde der Auftrag anständig durchgeführt und ich bin trotz der kuriosen Entstehungsgeschichte dennoch stolz auf die Durchführung dieser nicht eingeplanten, sehr spontanen Arbeit! Trotzdem habe ich mich lange nicht recht getraut, mit diesem Auftrag in Verbindung gebracht zu werden. Wäre es von Anfang an mein Auftrag gewesen, hätte ich mit eigenen Ideen ganz anders losgelegt!
Vielleicht bietet mir jemand die Möglichkeit, ein Gemälde dieser Größe nach freiem Entwurf auszuführen?!
Abb.: Fassadenmalerei, Work in Progress: Planung/Gerüst fällt
Alle Rechte vorbehalten | Andrea Fraider-Kreft
Für die zentimetergenaue Bauaufnahme der bestehenden Architektur habe ich alle Baudetails mit einer Leiter bis zur Höhe des ersten Gesimsbandes vermessen und die ermittelten Maße mittels entzerrter Gesamt- und Detailfotografien auf den ganzen Bau und den Plan übertragen.
Die aufwändige Bauaufnahme war nötig, um für alle Entscheidungen ein exaktes Bild geben zu können - und weil in der kurzen Zeit der Ausführung mit Gerüst (40 Arbeitsstunden) ganz sicher keine Zeit für Versuche und Experimente war.
Die genaue Position und der Winkel der neu zu erstellenden Wand fpr die Malerei musste ermittelt und deren Wirkung abgeschätzt werden.
Die Wand musste wegen einer nicht korrekt verzeichneten Telefonleitung, auf die Arbeiter bei den Grabungen für das Fundament stießen, in einem minimalen Winkel verschoben und ein Stück weiter nach hinten versetzt werden, wobei die Entscheidung für die konkrete Lösung mir überlassen war. Dadurch weist die Wand über 8 Meter in der Höhe und ein paar Zentimeter mehr in der Breite auf als in den allerersten Planungen (alle Pläne mussten neu skaliert werden).
Eine der wichtigen Entscheidungen des Entwurfs war, die Art der Perspektive zu wählen. Die meisten Passant:innen schauen in extremer Schrägsicht auf das Wandbild, denn die Straße ist sehr eng. Eine sehr spektakuläre, zentralperspektivische Darstellung wäre aber nur aus einer Sichtachse überzeugend, die annähernd aus dem rechten Winkel mit einem größeren Abstand auf das Objekt zuläuft. Aus den spitzwinklig zulaufenden Sichtachsen der meisten Verkehrsteinehmer :innen wäre eine solche Perspektive übermäßig stark verzerrt und kaum als realistisch (anzu-) erkennen. Also wählte ich einen künstlichen Kompromiss, der das "Gebäude" aus allen Richtungen, auch aus spitzen Winkeln mit geringem Abstand gesehen, überzeugend, dafür aber leider nicht sehr spektakulär aussehen lässt. Die spektakulären Effekte der Tiefe wollte ich den Ideen der ursprünglich teilnehmenden Künstler überlassen. Es gibt viele Möglichkeiten, Tiefe ohne perspektivische Mittel darzustellen oder absurde Perspektiven zuzulassen.
Beispiele der Detailplanung.
Entwurf Doppelfenster mit Pflanzgitter und Deko.
Fensterentwurf maßstäblich. Auf dem Ausdruck kann die Farbgestaltung mit echter Fassadenfarbe ermittelt und ausprobiert werden.
Entwurf Einzelfenster mit Pflanzgitter und Deko.
Der Balkon. Die tragenden Voluten sind vom vorspringenden Eckerker des Nachbargebäudes übernommen.
Die Balkontür
Pflanzkasten für den Balkon.
Die Malerei zu den vorangegangenen Entwurfsdetails
Entwurf und Farbkarte Schaufenster
Gemaltes Schaufenster rechts. Der Blick geht maßstäblich durch die Galerie L´art pour Lahr hindurch aus deren Schaufenster und Tür hinaus ins Brettental. Der Schaufensterrahmen repräsentiert das quadratische, vierfarbige Logo der Stadt Lahr. In der Galerie ist ein real existierendes Werk von Regine Staudenmeyer-Türck zu sehen.
Das frontale Profil der oberen Dachtraufe mit Angaben in cm.
Farbkarte Gesamtentwurf. Auf ihm wird die echte Fassadenfarbe erprobt.
Foto zur Ermittlung der Maße und der Silhouetten von Simsen und Profilen des Nachbarhauses.
Dito.
Daraus entwickeles Fenstersims für Einzel- und Doppelfenster.
Abstandsmaße der Rustika im Untergeschoss.
Foto der Rustika im Untergeschoss des Nachbarhauses.
Detail mit Geschossband.
Vorentwurf mit Farbvariante. Vorn links ein Mann in Durchschnittsgröße zum Größenvergleich (mein Vater).
Foto des Doppelfensters. Mit Hilfe solcher Fotos werden Maße der Bauaufnahme des Erdgeschosses auf das Obergeschoss übertragen.
Im Auftrag war einerseits die Höhe als maximal bis zur Dachtraufe der bestehenden Nachbarbebäude vorgegeben, andererseits war klar, dass eine einfache, gerade Linie als Abschluss nicht in Frage kommt. So wurde die Dachtraufe mit Figuren bekrönt.